Daniel Schmid Dipl. Arch. ETH Architekturbüro Tübingen

Doppelhaus Biesingerstraße 26 und 26/1, Tübingen 2023

Bauherrschaft:
privat

Architekt:
Daniel Schmid Dipl. Arch. ETH, Freier Architekt, Biesingerstraße 26, 72070 Tübingen

Tragwerksplanung:
Bilger Ingenieure, Beratende Ingenieure, Tübinger Straße 45, 72127 Kusterdingen, www.bilger-ing.de

HLS-Planung:
Andreas Präffcke Büro für Haustechnikplanung, Blumenstraße 9, 72119 Ammerbuch - Pfäffingen

Das Doppelhaus entstand am Südhang des Tübinger Schlossbergs, nachdem ein Vorgängerbau durch Brand zerstört worden war. Die Bauherrschaften erwarben das Grundstück jeweils zur Hälfte und erstellten die beiden Haushälften in Planungsgemeinschaft, also auf getrennten Grundstücken mit getrennten Verträgen, aber mit gemeinsamer Planung und Bauleitung und gemeinsamen Handwerkern, um so Synergien nutzen zu können.

Die beiden Grundstückshälften haben jeweils eine Fläche von ca. 500m² und sind nach Südosten auf das Neckartal orientiert. Sie werden ihrerseits noch einmal durch die Straße geteilt, südlich dieser befinden sich die zugehörigen Stellplätze. Durch die steile Hanglage ergibt sich ein Höhenversatz von zwei Stockwerken von der Vorder- zur Hinterseite des Hauses, das Untergeschoss ist ebenerdig von
außen zugänglich, darunter wurde auf ein weiteres Kellergeschoss verzichtet.

Gestalterisch entwickelt sich das kompakt als ein homogener Baukörper gestaltete Haus aus der exponierten Hanglage, indem zum Tal eine möglichst große Offenheit geschaffen und hierdurch ein starken Bezug nach außen hergestellt wurde, auch im Dachgeschoss. Besonderheit hier sind die großen festverglasten Oberlichter über den Schlafbereichen. Sehr wichtig ist auch die vertikale Erschließung mit der damit verbundenen räumlichen Öffnung mit Treppenauge und natürlicher Belichtung und dem alle Stockwerke übergreifenden Treppenhausregal.

Oberhalb des Hauses befindet sich ein kleiner Hanggarten, die Außenbereiche werden über
Stützmauern, Sitzbänke und Treppen architektonisch gefasst und gestalterisch an den Innenraum angeschlossen, der dadurch erweitert wird.

Die beiden Hälften unterscheiden sich intern in einigen Details der Aufteilung und der Ausführung, sind aber sehr ähnlich. Im Untergeschoss befinden sich Zugänge, Arbeitszimmer bzw. Büro und Technikräume, im Erdgeschoss Kinder- und Gästezimmer und Bäder. Das Obergeschoss füllt jeweils der Wohnbereich mit offener Küche, Speisekammer, WC und Öffnung zur rückwärtigen Gartenterrassen vollständig aus, im Dachgeschoss setzt sich der Wohnbereich mit Zugang zur talseitigen Dachterrasse fort und befindet sich der über Schiebetüren abteilbare Elternschlafbereich mit Bad. Die Wohnflächen betragen jeweils etwa 180 m² zuzüglich unterschiedlich großer Büros und Nebenräume. Durch die Hanglage öffnen sich alle Stockwerke auf den Außenbereich. Durch die offene Raumaufteilung über die vier Stockwerke ergeben sich sehr großzügige Raumgrößen, konstruktiv wurde die Aufteilung einfach gehalten. Einen erheblichen Aufwand bedeutete dagegen die durch den problematischen Baugrund notwendige Hangsicherung. Die Stellplätze wurden teilweise durch Carports überdacht, die auch die Fotovoltaikanlagen aufnehmen.

Konstruktiv sind die Häuser weitgehend Massivbauten, die Decken über dem Obergeschoss und das Dachgeschoss sind aus Holz erstellt. Die Wände sind innen und außen weitgehend nur verputzt und gestrichen. Für die Böden wurden Eichenparkett und jeweils einheitlich gehaltenen Fliesen verwendet, die Treppen mit schlichten Geländern sind aus Stahl und ebenfalls aus Eichenholz erstellt.

Die vordere Dachseite wurde mit Edelstahl gedeckt, ebenso wie die DG-Wände auf der Außenseite, das leicht geneigte Dach auf der Rückseite ist begrünt. Das homogene und zurückhaltende Farbkonzept trägt dazu bei, dass die architektonische Gestaltung nicht zu dominant wird und die Bewohner in Möblierung und Nutzung des Hauses große Freiheiten haben.

Mit dämmendem Mauerwerk, umlaufender Perimeterdämmung, dreifachverglasten Holzalufenstern, außenliegendem Sonnenschutz, Luftwärmepumpen und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung erreicht das Haus einen Standard als Effizienzhaus 55 EE. Beide Hälften werden über Fußbodenheizungen beheizt und im Sommer temperiert und haben zusätzlich Kaminöfen in den Wohnbereichen. Die großen südostorientierten Glasflächen tragen im Winter erheblich zur Beheizung bei, was zu einem geringen Wärmebedarf und zusammen mit den Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von 12 kW peak zu sehr geringen Nebenkosten führt. Einschließlich des Bedarfs für die Heizung wird im Jahresverlauf erheblich mehr Strom eingespeist als bezogen. Der sommerliche Wärmeschutz führt auch bei hohen Außentemperaturen selbst im Dachgeschoss zu sehr angenehmen Raumtemperaturen.

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